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Angststörungen

Angst ist etwas, das jeder von uns kennt. Gut so, denn Angst warnt uns vor Gefahren. Bestimmte Ängste sind in bestimmten Entwicklungsstufen typisch, z.B. Angst vor Dunkelheit und Geistern im Kindesalter. „Pathologisch“ (also „krankhaft“) wird eine Angst erst dann, wenn die Angst zum einen eigentlich von mir selbst als unsinnig oder übertrieben erkannt wird, aber dennoch zu körperlichen Symptomen führt (Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Ohnmachtsgefühle, Bauchschmerzen etc.) und mich zum anderen davon abhält, meinen gewohnten Aktivitäten nachzugehen.

 

Hier einige Beispiele für Einschränkungen durch Angststörungen:

  • Ich gehe nicht mehr zum Sport, weil ich Angst habe, mich dort irgendwie dumm oder peinlich zu benehmen und von den anderen angestarrt zu werden. Eigentlich würde ich deshalb auch am liebsten nicht mehr in die Schule gehen, wenn ich dort bin, versuche ich immer, mich möglichst unauffällig zu benehmen und sage deshalb kaum etwas (= soziale Phobie).

  • Ich habe so massive Angst vor Spritzen, dass ich mich nicht zur dringend erforderlichen ärztlichen Untersuchung traue (= Spritzenphobie, Fachbegriff: spezifische Phobie).

  • Ich erlebe plötzliche Panikattacken ohne Grund, die genauso unerwartet und meist rasch wieder verschwinden, wie sie gekommen sind (= Panikstörung).

  • Ich traue mich nicht mehr, ohne meine Eltern zu Freunden zu gehen oder allein zu Hause zu bleiben (= Trennungsangst).

  • Mir machen so viele verschiedene Dinge Angst und Sorgen, dass mir der ganze Alltag zu viel wird (= generalisierte Angststörung).

 

Es gibt also sehr viele verschiedene Arten von Angststörungen, daher beginnt die Behandlung immer mit einer gründlichen Einschätzung und Diagnose. Zum prinzipiellen Ablauf einer Psychotherapie siehe Behandlung allgemein: Einzeltherapie.

Angststörungen beginnen häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter, wobei Mädchen im Durchschnitt etwas häufiger betroffen sind als Jungen.

 

Die Ursachen sind meist vielfältig, in der Regel findet man eine Kombination aus genetischen Faktoren, bestimmten Temperamentsvariablen, bisherigen Lebensereignissen, vielleicht einem ebenfalls eher ängstlichen Elternteil, der gewissermaßen als Modell dient. Auch hierfür nehmen wir uns Zeit, um herauszufinden, welche Faktoren jeweils zur Entstehung der Ängste beigetragen haben und auch aktuell dafür sorgen, dass sie nicht wieder verschwinden, um diese Faktoren dann verändern zu können (Störungsmodell). Ein wichtiger Teil der Behandlung ist damit auch die Beratung der Eltern oder anderer Bezugspersonen, damit diese verstehen und lernen können, welcher Umgang mit dem Betroffenen hilfreich ist und wie dies umgesetzt werden kann.

 

Die Behandlung von Angststörungen gelingt mit Verhaltenstherapie sehr gut, die Prognose für Symptomfreiheit oder deutlichen Rückgang der Symptome nach Behandlung ist ebenfalls gut. Voraussetzung ist hierbei, dass die Betroffenen einen Wunsch zur Veränderung haben und dafür bereit sind, sich aktiv ihren Ängsten zu stellen und nach und nach wieder die Kontrolle über ihr Leben zu übernehmen, statt sich von den Ängsten leiten zu lassen. Nur so kann das Gehirn lernen, dass die angstbesetzten Situationen in Wirklichkeit keine Gefahr darstellen und problemlos aufgesucht werden können. Je zügiger ich mit der Behandlung beginne, wenn ich die Ängste bei mir feststelle, desto weniger Zeit haben die Angstsymptome, sich festzusetzen (zu „chronifizieren“).

 

Die wichtigste Intervention für die Patienten ist die sogenannte „Expositionsübung“. Patientinnen und Patienten erstellen zunächst eine „Angsthierarchie“, an der man erkennen kann, welche Situation als wie belastend erlebt wird. Gelegentlich entscheiden Patienten sich, gleich die schwierigste Situation anzugehen („massierte Konfrontation“, „Flooding“), da dies am wirksamsten ist. Die meisten Patienten erleben dies jedoch als Überforderung, daher wird in der Regel aus der Angsthierarchie zunächst eine Situation herausgesucht, die der Patient gut bewältigen kann. Sind alle Situationen „in echt“ („in vivo“) zu Beginn der Therapie noch zu belastend, so kann zunächst auch erst einmal in Gedanken („in sensu“) geübt werden. So wird schrittweise gelernt, sich den angstauslösenden Situationen zu stellen („graduiertes Vorgehen“). Dies geschieht zunächst in therapeutischer Begleitung, später sollen die Patienten die Methode dann eigenständig anwenden. Dies wird ebenfalls zunächst in Form von therapeutischen Hausaufgaben schrittweise eingeübt, bis der Patient sich sicher fühlt. Er erlernt somit, Anspannungssituationen auszuhalten und erkennt, dass die befürchteten Gefährdungen nicht oder nicht im befürchteten Maß eintreffen, die Situation aushaltbar ist und die Anspannung dann quasi automatisch wieder zurückgeht. Bei extrem ausgeprägten Ängsten kann auch mit dem Therapeuten direkt in den betreffenden Situationen geübt werden (z.B. im Supermarkt, zu Hause o.ä.). Hierzu beantragen wir bei der Krankenkasse eine sogenannte „Blockung von Therapiestunden“ („Home Treatment“), so dass ausreichend Zeit zur Verfügung steht, direkt in den entsprechenden Situationen zu üben.

 

Im weiteren Behandlungsverlauf werden dann ergänzend kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden angewandt. Patienten sollen erkennen, dass sie typische („automatische“) Gedanken haben, die oft nicht hilfreich („dysfunktional“) sind und dennoch das eigene Handeln bestimmen und die Ängste vergrößern. Ziel ist es, solche Gedanken zu erkennen und zu verändern. Langfristig besprechen wir dann evtl. auch dysfunktionale Grundannahmen (generelle Einstellungen), die Stress und Ängste vergrößern können und reflektieren diese.

 

Ein wichtiger Schritt ist die Einbeziehung der Eltern und Bezugspersonen. Diese nehmen häufig unbewusst den betroffenen Kindern und Jugendlichen Belastungen und Ängste ab und sorgen somit dafür, dass sich die Betroffenen den angstauslösenden Gedanken oder Situationen nicht mehr stellen müssen. Dies führt erfahrungsgemäß zu einer Aufrechterhaltung der Problematik. Eltern und Bezugspersonen müssen ebenfalls schrittweise lernen, den Kindern und Jugendlichen die Verantwortung zurückzugeben.

Sofern in besonders schwer ausgeprägten Einzelfällen oder bei Kombination mit anderen Störungsbildern (z.B. Depression) kein ausreichender Symptom-Rückgang erreicht wird, wird eine kombinierte verhaltenstherapeutisch-medikamentöse Therapie empfohlen. Diesbezüglich kooperiert die Praxis mit mehreren niedergelassenen Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Institutsambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Helios Fachklinik Schleswig GmbH.

 
 

Eine Anmeldung für die psychotherapeutische Sprechstunde ist
ausschließlich telefonisch am Freitag in der Zeit von 13.30 Uhr - 16.50 Uhr möglich!

Telefon 04621 - 30 750 70