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Bipolare Störungen und Schizophrenie

Bipolare Störungen (frühere Bezeichnung: „manisch-depressive Erkrankungen“) gehören zu den psychiatrischen Krankheitsbildern, die im Kindes- und Jugendalter eher selten auftreten. Aus diesem Grund haben wurden sie lange nicht genügend beachtet. Erst in den letzten Jahren hat sich ein gesichertes Wissen entwickelt, das der Bedeutung dieses Krankheitsbildes angemessen ist.

 

Jeder Mensch kennt Schwankungen der Gefühle. Manchmal ist die Stimmung gut, manchmal eher schlecht. Das aber ist normal. Menschen mit einer Bipolaren Störung leben jedoch mit extremen Emotionen. Im Spannungsfeld zwischen Manie und Depression ist ein geregeltes Leben kaum möglich. Das wiederkehrende Auf und Ab der Emotionen mit Schwankungen der Stimmung und des Antriebs sind ebenso Realität wie ein zwanzigfach erhöhtes Suizidrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

 

Nur wenige Betroffene wissen um ihre Krankheit und finden den Weg zu einem geschulten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dabei könnten eine rechtzeitige Diagnose und eine gezielte Behandlung den Krankheitsverlauf wesentlich verbessern.

 

Studien haben gezeigt, dass bis zu vier Prozent aller bipolar erkrankten Erwachsenen schon im Kindesalter (also bis zum Alter von zehn Jahren) und bis zu 50% vor Erreichen des 18. Lebensjahres eine erste manisch-depressive Episode erlitten. Bipolare Störungen des Jugendalters sind als sogenannte Frühformen („early onset bipolar disorder“) typischer Bipolarer Störungen anzusehen, wie sie auch im Erwachsenenalter auftreten. Die Symptomatik der Frühformen ist im Wesentlichen gleich, wobei einige alterstypische Unterschiede beschreibbar sind, z.B. in Form schnellerer Phasenwechsel, typischer Denkstörungen oder häufig kürzerer affektiver Phasen.

 

Schizophrenie ist ebenfalls eine schwere psychische Erkrankung, von der etwa 1% der Bevölkerung zumindest einmal im Leben betroffen ist. Etwa 13.000 Menschen werden in Deutschland pro Jahr erstmals mit dieser Diagnose konfrontiert, dabei auch bereits viele Jugendliche. Im Verlauf dieser psychotischen Erkrankung kommt es zu Störungen im Denken, der Wahrnehmung, der Ich-Funktionen, der Affektivität sowie des Antriebs und der Psychomotorik. Im Rahmen von Wahrnehmungsstörungen können Sinnestäuschungen (Halluzinationen) auftreten. Zusätzlich kann es zu Wahn mit wahnhaften Gedanken oder Wahnwahrnehmungen kommen. Der ersten Akutphase der schizophrenen Psychose geht meist eine mehrjährige Phase voraus, in der verschiedene Symptome auftreten, die auf die Entwicklung einer Schizophrenie hindeuten. Nach dem ersten akuten Krankheitsgeschehen verläuft die Schizophrenie dann recht unterschiedlich. Dies betrifft insbesondere unter Umständen verbleibende Rest-Symptome und gewisse Einschränkungen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben.

 

Neben der Früherkennung wird die Behandlung individuell darauf abgestimmt und dient vor allem auch dazu, eine erneute akute Krankheitsepisode zu verhindern.

 

Behandlung

Psychotherapeutische Verfahren werden bei der Behandlung von bipolaren und schizophrenen Erkrankungen mit Erfolg eingesetzt. Oft ist eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung notwendig und sinnvoll, um eine optimale Therapie für die Patienten zu gewährleisten.

 

Im Rahmen der Psychotherapie kommen unterschiedliche verhaltenstherapeutischen Interventionen zum Einsatz, die gängigsten werden in einem kurzen Überblick hier dargestellt:

 

Kognitive Techniken:

Die Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass menschliches Verhalten und Erleben erlernt wird und somit auch wieder „verlernt“ werden kann. Oft sind ungünstige Gedankenabfolgen an der Entstehung von negativen oder problemverursachenden Gefühlen und Verhaltensweisen beteiligt. Gemeinsam versuchen Therapeut und Patient, diese Gedankenfolgen und die daraus entstehenden Gefühle, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen zu verstehen und neue Verhaltens- und Erlebnismuster mit unterschiedlichen Methoden einzuüben. Ein Schwerpunkt in der Verhaltenstherapie liegt in der Behandlung bipolarer und schizophrener Erkrankungen im Bereich des Stressmanagements, d.h. dem Erkennen und Verändern spezifischer Stressfaktoren.

 

Psychoedukation

Psychoedukation bedeutet, eine umfassende Aufklärung über alle Aspekte der Erkrankung zu vermitteln. Damit soll vor allem erreicht werden, trotz Krankheit ein lebenswertes Leben zu führen und künftige Episoden, wenn nicht zu verhindern, so doch zumindest auf ein für alle Beteiligten erträgliches Ausmaß reduzieren zu können. Vor allem durch die Kenntnis der frühen Symptome einer sich anbahnenden neuen Krankheitsphase können Betroffene und Angehörige schon im Anfangsstadium gegensteuern und geeignete medikamentöse und/oder therapeutische Maßnahmen mit uns oder dem medikamentös behandelnden Facharzt absprechen, wodurch eine ausgeprägte Episode häufig verhindert und ein stationärer Klinikaufenthalt vermieden werden kann.

 

Psychoedukation stellt einen wertvollen Baustein im Katalog der Maßnahmen dar, mit denen man einer bipolaren oder schizophrenen Erkrankung begegnen kann. Nicht zuletzt bringt sie auch mehr Kompetenz und Mündigkeit für die Betroffenen und auch ihre Angehörigen im Umgang mit der Krankheit.

 

Stimmungs- und Behandlungskalender

Egal, ob auf althergebrachte Weise mit Stift und Papier oder auf elektronischem Weg: Ein Stimmungstagebuch kann dabei helfen, mit der Bipolaren Störung oder der Schizophrenie besser umzugehen. Durch die täglichen Einträge ist man gezwungen, sich mit der eigenen momentanen Verfassung auseinanderzusetzen und kann so eventuelle Frühwarnzeichen besser erkennen. Oft wird einem erst mit Blick auf die zurückliegenden Aufzeichnungen klar, dass man sich zu einer bestimmten Zeit über oder unter der "Normallinie" befand oder ob bestimmte psychotische Auffälligkeiten auftraten. Auch für uns sind präzise geführte Stimmungs- und Symptomkalender sehr hilfreich, denn sie können damit die Entwicklung seit der letzten Behandlung gut nachvollziehen. Es gibt auch mittlerweile Stimmungskalender als App für Smartphones und Tablet-Computer. Suchen Sie im App-Store nach den Stichworten "Mood Log" oder "Bipolar".

 

Soziotherapie und Vernetzung des Umfeldes

Die Zusammenarbeit und Vernetzung des Umfeldes ist für den weiteren Krankheitsverlauf ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Unter Beteiligung des Therapeuten aus unserer Praxis, den Eltern, Angehörigen oder Betreuern, dem Hausarzt, dem ggf. medikamentös behandelnden Facharzt und der Schule wird erreicht, dass Betroffene ein möglichst eigenständiges Leben führen können. Hierzu besteht im Rahmen der Psychotherapie immer die Möglichkeit, gemeinsame Bezugspersonengespräche zu führen, um Behandlungsschritte aufeinander abzustimmen und Betroffene zu motivieren, einen altersgemäßen Tages- und Wochenablauf mit einer angemessenen Balance von Be-und Entlastung zu führen.

 
 

Eine Anmeldung für die psychotherapeutische Sprechstunde ist
ausschließlich telefonisch am Freitag in der Zeit von 13.30 Uhr - 16.50 Uhr möglich!

Telefon 04621 - 30 750 70