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Posttraumatische Belastungsstörungen

Leider erleben die meisten von uns in ihrem Leben nicht nur schöne, sondern auch schlimme, zum Teil schreckliche Dinge wie Autounfälle, das (vielleicht plötzliche) Versterben eines nahestehenden Menschen, das Erleben von kriminellen Übergriffen, sexuellen Missbrauch o.ä. Solche Erlebnisse (sogenannte potentielle Traumata, also möglicherweise traumatisierende Erlebnisse) lösen nahezu bei jedem zunächst eine Verstörung und tiefgreifende Verzweiflung aus. Einige Menschen bewältigen solche Erlebnisse ohne professionelle Hilfe (vielleicht durch Unterstützung von Freunden und Verwandten, durch eigene Vorerlebnisse oder ähnliches), hierbei ist es wichtig, den Betroffenen selbst wählen zu lassen, welche Bewältigungsstrategie er nutzen möchte (z.B. reden oder lieber schweigen, sich zurückziehen und weinen oder lieber den normalen Alltag leben, um nicht immer an das Erlebnisse denken zu müssen, sich „betüddeln“ lassen oder lieber „normal“ behandelt werden etc. oder eine Mischung aus allem…). Es gibt nicht DEN richtigen Weg zur Bewältigung eines schlimmen Ereignisses, jeder muss selbst für sich herausfinden, was ihm gut tut und hilft.

 

Bei ca. 10-50% der Betroffenen (je nach Art des erlebten Traumas) kommt es jedoch zu anhaltenden psychischen Auffälligkeiten als Folge des Traumas mit anhaltenden Erinnerungen an bzw. sich aufdrängenden Bildern vom Erlebten, Abträumen mit entsprechenden Inhalten und allgemein erhöhtem Erregungsniveau mit Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhter Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit. Häufig werden auch Situationen, die an das Trauma erinnern, möglichst vermieden oder ganz umgangen (z.B. nicht mehr in ein Auto steigen nach Autounfall), auch um die o.g. Symptome möglichst wenig zu erleben. Die Symptome werden zusammenfassend Posttraumatische („nach dem Trauma“) Belastungsstörung genannt und sind Hinweise darauf, dass das Gehirn das Trauma auf eine andere Art und Weise verarbeitet und abgespeichert hat als andere Erinnerungen, so dass es ihm häufig nicht gelingt zu erkennen, dass das Erlebnis bereits vorbei ist und der Betroffene sich jetzt in Sicherheit befindet. Zur Zeit ist noch nicht ganz geklärt, warum manche Personen solche Symptome entwickeln und andere nicht, es hat jedenfalls ganz sicher nichts damit zu tun, dass jemand sich nicht ausreichend angestrengt hat, sich falsch verhalten hat o.ä. Auch wenn jemand solche Symptome nicht entwickelt hat, aber unter einem schlimmen Erlebnis leidet, sind wir der richtige Ansprechpartner zur weiteren Klärung! Grundlage für eine psychotherapeutische Behandlung dieser Art ist, dass das traumatisierende Erlebnis beendet ist. Befindest Du Dich aktuell noch in einer gefährdenden Situation (z.B. weiter andauernde Übergriffe durch ein Familienmitglied), wende Dich bitte unverzüglich zur Klärung weiterer Schritte zu Deiner Sicherung an die entsprechende Hilfehotline.

 

Im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung wird zunächst die aktuelle Stabilität gestärkt/wiederhergestellt. Hier geht es zum Beispiel um die Frage, wie man sich mit den vermiedenen Situationen mehr und mehr auseinandersetzen kann, aber auch darum, mit den dann entstehenden Gefühlen umgehen zu lernen. Auch kann besprochen werden, wie sich Situationen bewältigen lassen, die nicht vermeidbar sind, oder ob es zunächst vielleicht doch Sinn macht, einer Sache zunächst noch aus dem Weg zu gehen, um sich selbst nicht zu überfordern. Parallel werden zusätzliche Schwierigkeiten (z.B. in der allgemeinen Regulation von Gefühlen) oder bisherige, nicht sinnvolle Bewältigungsversuche (z.B. Alkohol- oder Drogenkonsum) besprochen und ggf. bearbeitet. Bei tatsächlicher Substanzmittelanhängigkeit müssen wir zunächst eine stationäre Behandlung zur Entgiftung empfehlen.

 

Möglichst rasch nach Erreichen einer ausreichenden Stabilität beginnt die eigentliche Behandlungsphase. Hier geht es darum, die Erinnerung im Gehirn neu zu „programmieren“, so dass beim Erinnern an das Trauma die Teile des Gehirns aktiv werden, die für Vergangenes zuständig sind, um zu merken, dass aktuell keine Gefahr mehr droht und die Erinnerung eben „nur“ eine Erinnerung, wenn auch eine unschöne, ist. Dies wird durch zunehmend intensiveres, aktiv gesteuertes Wiedererleben der Erinnerungen (Expositions- bzw. Konfrontationsübung) erzielt, z.B. durch Erzählen der Erlebnisse auf eine bestimmte Art und Weise. Dieses kann durch eine spezifische Methode namens EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprosessing) unterstützt werden. Bei EMDR geht es darum, mittels Augenbewegungen eine beschleunigte Verarbeitung der traumatischen Erinnerung zu bewirken. EMDR ist jedoch für Kinder und Jugendliche derzeit nicht zugelassen, zudem deutet die Studienlage darauf hin, dass das oben genannte Vorgehen ohne EMDR genauso wirksam ist wie mit EMDR. Die Methode EMDR wird daher von unserer Praxis nicht angeboten.

 

Wichtig zu wissen ist, dass die Geschwindigkeit und die Art des Vorgehens immer vom Patienten gesteuert werden, Du musst also keine Angst haben, überfordert zu werden! Wir begleiten und unterstützen Dich im gesamten Ablauf. Dennoch ist das Vorgehen (wie jede andere psychotherapeutische Arbeit auch) auf eine gewisse Art und Weise anstrengend und erfordert Deine Motivation, Dich auf das Vorgehen einzulassen und regelmäßig zu üben, auch im Rahmen von therapeutischen Hausaufgaben zwischen den Therapieterminen. Wenn gewünscht, kann vor Beginn der Therapie das Geschlecht des Therapeuten (männlich oder weiblich) in unserer Praxis frei gewählt werden.

 

Im weiteren Behandlungsverlauf werden dann ergänzend kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden angewandt. Ziel hierbei ist, die Bewertung des Erlebten zu hinterfragen und Auswirkungen auf das jetzige Leben zu verändern bzw. das Erlebte in die eigene Lebensgeschichte so zu integrieren, dass man sich nicht mehr schlecht fühlt, weil einem so etwas passiert ist. Dies beinhaltet auch, sich nicht mehr als hilfloses und wehrloses Opfer zu fühlen, sondern das eigene Leben wieder aktiv selbst zu gestalten.

 

Ein wichtiger Schritt ist die Einbeziehung der Eltern und Bezugspersonen, wenn von den Betroffenen gewünscht. Diese nehmen häufig unbewusst den betroffenen Kindern und Jugendlichen Belastungen und Ängste ab und sorgen somit dafür, dass sich die Betroffenen den angstauslösenden Gedanken oder Situationen nicht mehr stellen müssen. Zudem werden aufgrund der eigenen Betroffenheit der Bezugspersonen die Kinder oder Jugendlichen zum Teil sogar mehr geschützt als von diesen gewünscht oder der Umgang miteinander ist aufgrund gegenseitiger Verunsicherung inzwischen unnatürlich, gezwungen o.ä. geworden. Auch werden Kinder manchmal durch zu viele Sorgen der Eltern zusätzlich belastet. All dies kann erfahrungsgemäß zu einer Aufrechterhaltung der Problematik führen. Eltern und Bezugspersonen müssen ebenfalls schrittweise lernen, den Kindern und Jugendlichen die Verantwortung im Umgang mit dem Erlebten zurückzugeben. Hierfür erfolgt eine intensive Beratung über Auswirkungen und Folgen von traumatischen Erlebnissen, damit Bezugspersonen wieder besser einschätzen können, wann sie sich schützend und helfend vor den Betroffenen stellen sollten und wann es für diesen hilfreicher ist, Situationen selbständig meistern zu können.

 
 

Eine Anmeldung für die psychotherapeutische Sprechstunde ist
ausschließlich telefonisch am Freitag in der Zeit von 13.30 Uhr - 16.50 Uhr möglich!

Telefon 04621 - 30 750 70