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Säuglings- und Kleinkindpsychotherapie

von der Geburt bis zum 4. Geburtstag

 

Familienzuwachs zu bekommen ist immer eine aufregende Zeit und bedeutet für alle Familienmitglieder eine große Umstellung. Aus einem Paar werden Eltern, aus einem Einzelkind wird ein großes Geschwister, das jüngste Geschwisterkind muss plötzlich seinen Platz für ein noch jüngeres Geschwister räumen (neulich gehört: „Mama, wenn das Baby kommt, wann geht das denn dann wieder?“). Die meisten Dinge lernen und somit die größte „Anpassungsleistung“ zeigen muss jedoch das Neugeborene selbst. Es bringt selbst bereits bestimmte Eigenschaften mit (Temperament, Gesundheitsstatus, Anpassungsfähigkeit, Schlafbedürfnis, Wunsch nach Aktivität) und hat vielleicht auch schon Beeinträchtigungen erlebt (Stress in der Schwangerschaft, schwierige Geburtssituation, Frühgeburt o.ä.). Diese Grundlagen treffen nun auf die bereits vorhandenen Gegebenheiten in der Familie, die nicht immer zusammen passen müssen (z.B. kann ein Kind schlafbedürftiger Eltern wenig Schlaf benötigen und so das ganze System durcheinander bringen). Bei Problemen in dieser „Passung“ kann es schnell zu Irritationen und Belastungen auf beiden Seiten kommen, aus denen sich rasch Teufelskreise entwickeln können. Diese sind so schnell zu verändern, wie sie entstehen, allerdings benötigt man hierfür manchmal den Blick eines Außenstehenden, um zu den eigenen Einschätzungen und Vorgehensweisen zurückfinden zu können, da die Belastung z.B. durch Schlafmangel, ständiges Schreien des Babys oder dauernden Streit oft das sogenannte „intuitive Elternprogramm“ (also das eigene Gefühl dazu, was richtig ist), blockiert. Auch auf Seiten des Kindes können schon früh Auffälligkeiten entstehen.

 

Exzessives Schreien

Im ersten Lebenshalbjahr schreien manche Babys übermäßig viel, da es Ihnen noch an den Möglichkeiten fehlt, sich selbst zu beruhigen („Regulationsstörungen“). Dies ist zunächst ein Reifungsprozess, bei dem Sie Ihr Kind vor allem durch eigene Ruhe unterstützen können. Dies fällt jedoch oft schwer, da zum einen das Kind meist kaum Signale sendet, an denen man ablesen könnte, was es gerade braucht („In einem Moment liegt es ruhig da, im nächsten schreit es plötzlich wie am Spieß und ich habe keine Ahnung, was es will!“) und so die Eltern dazu verleitet, immer mehr auszuprobieren. Zudem kann man das Schreien ja nicht einfach ignorieren und möchte sein Kind ja auch beruhigen können, so dass sich meist schnell Hilflosigkeits- und Überforderungsgefühle, aber auch Wut und Aggression einstellen. In dieser Situation sollten Sie in keinem Fall Ihr Kind schütteln, dies kann lebensgefährlich sein! Suchen Sie in einem solchen Fall also zunächst schnellstmöglich Unterstützung bei Freunden oder Verwandten oder auch zuständigen Institutionen (z.B. Haus- oder Kinderarzt, Hebamme, Jugendamt vor Ort, Schutzengel GmbH oder wellcome gGmbH, siehe auch Wichtige Telefonnummern und LINKs). Mittelfristig kann es zudem sinnvoll sein, weitere Strategien im Umgang mit dem Kind und den belastenden Situationen zu erlernen, um die eigene Anspannung zu minimieren und das Kind bei seinem Reifungsprozess bestmöglich zu unterstützen. Hierbei unterstützen wir Sie gern und bemühen uns auch, Ihnen einen zeitnahen Termin anzubieten.

 

Frühkindliche Schlafstörungen

Auch der erwachsenentypische, sogenannte „circadiane“ Schlafrhythmus (tags wach sein, nachts schlafen) muss vom Kind erst erlernt werden. Hierbei kann es aufgrund verschiedener Auslöser zu Problemen kommen: das Kind benötigt lange Zeit zum Einschlafen, wacht in der Nacht häufig auf und will spielen, statt weiterzuschlafen, beendet die Nacht bereits um 5 Uhr morgens und/oder schläft zu ungünstigen Zeiten, z.B. überwiegend tagsüber. Besonders problematisch für alle wird dies, wenn das Kind zudem die Anwesenheit der Eltern beim abendlichen Einschlafen und/oder nächtlichen Wiedereinschlafen einfordert und so regelmäßig die Kräfte der Eltern bindet, welche dann selbst schnell an Schlafmangel zu leiden beginnen und so oft unausgeglichen sind, so dass häufig auch die gemeinsame Zeit am Tag durch den beiderseitigen Schlafmangel beeinträchtigt wird.

 

Zum Schlafverhalten wichtig zu wissen ist, dass alle gesunden Kinder (und übrigens auch wir Erwachsenen, ohne es zu merken) alle ca. eineinhalb bis zwei Stunden einmal aufwachen, um zu überprüfen, ob in unserer Umgebung noch alles in Ordnung ist. Kann das Kind sich in einem solchen Moment selbst wieder in den Schlaf bringen, merken Eltern häufig gar nicht, dass das Kind kurz wach war, dies wird dann als das gewünschte „Durchschlafen“ erlebt. Leicht können so allerdings auch durch ungünstige Gewohnheiten Schlafprobleme entstehen, wenn z.B. das Kind es gewohnt ist, abends an der Flasche einzuschlafen und diese daher auch verlangt, wenn es nach zwei Stunden das erste Mal routinemäßig erwacht und eigentlich selbstständig wiedereinschlafen soll. Und weitere eineinhalb Stunden später wieder, und weitere eineinhalb Stunden später wieder, …

 

Da Schlafprobleme viele verschiedene Auslöser haben können, nehmen wir uns zunächst gründlich Zeit, um den oder die bei Ihnen zutreffenden Auslöser zu identifizieren. Hierbei können Schlafprotokolle helfen, bestimmte Rhythmen zu erkennen. Wenn Sie mögen, können Sie ein solches Protokoll bereits vor dem ersten Termin im Downloadbereich (LINK) herunterladen, um dies dann ausgefüllt zum Erstgespräch mitzubringen. Haben wir den oder die Auslöser identifiziert, erfolgt eine Beratung zur Verbesserung der Schlafsituation. Diese orientiert sich immer an Ihren Wünschen und Bedürfnissen, um zum von Ihnen gewünschten Ziel zu gelangen.

 

Frühkindliche Fütterstörungen

Kurzzeitige Probleme im Bereich der Nahrungsaufnahme sind bei Säuglingen und Kleinkindern normal. Hier helfen in der Regel zunächst Hebamme und/oder Kinderarzt weiter, die kinderärztliche Abklärung ist zudem erforderlich, um körperliche Probleme als Ursache ausschließen zu können. Verfestigen sich die Probleme, so kommt es rasch auch zu Schwierigkeiten im Umgang miteinander während der Füttersituation. Eltern sind besorgt und machen sich Gedanken, wieso das Kind nicht richtig isst, häufig erzeugt dies rasch großen Druck, so dass die Essenssituation für alle anstrengend und belastend wird, was wiederum dazu führt, dass das Kind noch weniger Motivation dazu hat, mit Genuss und Freude zu essen und Eltern immer verzweifelter werden. Hier kann es helfen, die Füttersituation mit professioneller Hilfe von außen zu betrachten, um Teufelskreise zu verändern, so dass alle wieder gelassener mit dem Thema Essen umgehen können und das Kind das eigene Interesse am Essen wiederfinden kann. Zusätzlich bearbeiten wir auch begleitende Fragestellungen und Probleme, sollte es diese geben (z.B. das Kind verweigert nicht nur die Mahlzeiten, sondern auch gemeinsames Spiel, andere Aufforderungen o.ä.).

 

Bei der „Fütterstörung mit Gedeihstörung“, das heißt bei bereits eingetretenen körperlichen Folgen einer Fütterstörung (sehr selten!, bei ansonsten gesunden Kindern nur bei 0,03-0,08%) ist eine ambulante Behandlung nicht ausreichend, hier wäre eine stationäre Aufnahme und Behandlung erforderlich (z.B. Sozialpädiatrisches Kinderzentrum Pelzerhaken, Tel. 04561-71090 oder Werner-Otto-Institut Hamburg, Telefon 040-507702, LINKs). Gleiches gilt auch bei besonders stark ausgeprägter Unsicherheit der Eltern. Gern helfen wir Ihnen in unserer Praxis, dies zunächst einmal zu sortieren und ggf. weitere Hilfen anzubahnen.

 

Wut- , Autonomie- und Trotzproblematik

Ein weiterer Baustein der Entwicklung im Kleinkindalter liegt in der zunehmenden Selbständigkeit. Je mehr die Kinder körperlich-motorisch in der Lage sind, selbst zu tun (z.B. stehen, laufen, gezielt greifen, später dann auch sich selbstständig anziehen, alleine essen etc.), desto mehr möchten Sie auch selbst entscheiden und probieren aus, wann und wie Ihnen dies möglich ist. Ab etwa einem Jahr, verstärkt dann mit 2-3 Jahren werden hierbei alle Möglichkeiten ausgelotet und dabei auch probiert, wann die Eltern Grenzen setzen und leider auch, ob diese Grenzen auch durchgehalten werden, wenn man es nochmal und nochmal probiert… Oder kann ich Mama oder Papa nicht auch umstimmen, wenn ich ganz laut schreie oder weine und ganz verzweifelt gucke? Was passiert, wenn ich einfach mal die Sachen umher werfe oder haue oder beiße oder meinen Kopf gegen das Sofa schlage? Kinder probieren in diesem Alter alles aus, um Reaktionen zu testen, besonders interessant werden dann die Dinge, auf die die Eltern besonders intensiv reagieren (also die „Schwachstellen“ der Eltern). Hierbei ruhig zu bleiben, fällt oft nicht leicht. Erste Hilfe leisten hier in der Regel die Erziehungsberatungsstellen vor Ort, die Ihnen in Einzelberatung oder Elternkursen Unterstützung im Umgang mit Ihrem trotzigen Kind bieten können.

 

Erscheint dies nicht ausreichend, weil sich z.B. gegenseitige negative Einstellungen in das Miteinander eingeschlichen haben (z.B. „Ich habe Angst vor meinem Kind, was soll bloß passieren, wenn der noch größer und kräftiger wird?!“ oder „Meine Tochter mag mich nicht, sie lehnt mich ab und hört nie auf mich, selbst spielen will sie nur mit anderen, nie mit mir!“) so helfen wir Ihnen, wieder einen positiven Zugang zu Ihrem Kind zu finden, um gemeinsam wieder eine schöne Zeit miteinander verbringen zu können und dennoch gleichzeitig auch liebevoll-konsequent bleiben zu können. Ggf. nutzen wir hierzu auch (nur, wenn Sie dies wünschen!) die Möglichkeit von Videofeedback, um das Verhalten des Kindes und eigene Reaktionen einmal in Ruhe von außen betrachten und dann leichter verändern zu können. Ziel soll immer ein liebevoller, entspannter Umgang miteinander sein, der dem Kind gleichzeitig auch einen klaren Rahmen zur Orientierung und weiteren Entwicklung bietet.

 
 

Eine Anmeldung für die psychotherapeutische Sprechstunde ist
ausschließlich telefonisch am Freitag in der Zeit von 13.30 Uhr - 16.50 Uhr möglich!

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